Die Geschichte des Flößerdorfes

Geschichtsschreiber führen die Entstehung Lechbrucks auf eine Brücke zurück, die an derselben Stelle wie die heutige Brücke schon von den Römern gebaut worden sei. Sie stand mit der Römerstraße Via Claudia Augusta in Verbindung, die von Süden kommend am linken Lechufer durch die Gemeindeflur von Lechbruck in Richtung Augsburg führte.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über unser Dorf finden wir allerdings erst in den ältesten noch vorhandenen Urbaren (das Urbar oder Salbuch ist eine Art Grundstückskataster). Die Eintragung im Urbar von 1316 erwähnt einen "Hof ze Lech".

 

 

Unser Ort Lechbruck wird erstmals im Urbar von 1398 genannt "Der Gogers ist ein Gütlein, hat der Pfanzelt von Lechprug" (Ein Abdruck des originalen Urbar-Eintrages von 1398 schmückt den Umschlag der Festschrift, die anlässlich des Jubiläums erschien).

Die beiden Ortsteile Lech (das untere Dorf) und Lechbruck (das obere Dorf) bildeten bis 1777 eigenständige Gemeinden, die zur Außenstelle Bernbeuren des Probstamtes Füssen gehörten. 1778 wurde Lechbruck zur selbständigen Pfarrei, 1808 zur Gemeinde Lechbruck erhoben.

Schon früh war Lechbruck ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, wo sich wichtige Verkehrswege kreuzten, die Landstraße aus dem bayerischen Gebiet ins Hochstift Augsburg, die alte Römerstraße und die Wasserstraße auf dem Lech.

 

Seit wann in Lechbruck Flößerei betrieben wurde, lässt sich nicht feststellen. Frühe archäologische Funde kann es nicht geben, da die Flöße am Zielort auseinander genommen und verarbeitet wurden. Bekannt ist, dass schon vor Christus der keltische Stamm der Likatier (Lechrainer) an den Ufern des Lechs lebte. Es ist anzunehmen, dass diese Siedler schon die Wasserstraße genutzt haben. Eine Rolle dürfte der Lech auch bei der Versorgung des römischen Heeres mit Holz gespielt haben. Die ersten Schriftquellen über die Flößerei tauchen erst im frühen 14. Jahrhundert auf. An den Hauptplätzen entlang des Lechs gab es bereits im Mittelalter ein geregeltes Ländewesen, Floßleutzünfte in den Städten, Floßleutverordnungen - also einen wohlgeordneten Flößereibetrieb, der offenbar eine lange Entwicklung hinter sich hatte.

 

In der frühen Neuzeit führte der Holzbedarf, besonders der holzarmen Städte, zu einem wachsenden Holztransport auf dem Wasser. (Eine einzige Ziegelei in Augsburg verbrauchte z.B. im Jahr oft an die 1000 Flöße). In Lechbruck entwickelte sich die Flößerei zur wichtigsten Erwerbsquelle. Die Lechbrucker Flößer lieferten zunächst im Auftrag der Augsburger Proviantherren Holz aus der Füssener Gegend und aus Tirol, später auch Bau- und Steinmetzmaterial aus den Lechbrucker Steinbrüchen, Kalk aus den örtlichen Kalköfen, Holzkohle (die Reichsstadt Augsburg betrieb hier stadteigene Holzkohlenmeiler) sowie Lebens-mittel nach Augsburg.>

Diese Großfrächterei brachte erhebliche Gewinne ins Dorf. Sie ernährte nicht nur die Floßleute, sondern auch Handwerker wie Sägmüller, Schmiede, Schuster, Stricker und die Kleinhändler (Kauderer genannt), die die Zubringer- und Vermittlungsdienste leisteten. In der ersten Blütezeit der Flößerei um 1600 waren die Lechbrucker Flößer mit Handelsflotten von 200 Flößen unterwegs. Das Frachtgeschäft weitete sich aus bis zur Kaiserstadt Wien und nach Überwindung der Türkengefahr bis ins Ungarische, ja bis nach Belgrad.

Doch die Zeiten des Wohlstands wechselten mit Zeiten der Not. Der 30jährige Krieg hinterließ auch in Lechbruck seine Spuren: "Es ist auch alles verheert und verderbt" schreibt ein Chronist. Ende des 18. Jahrhunderts war die gesamte Floßfahrt infolge eines Brandes am Hochablaß in Augsburg für Jahre lahmgelegt.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts ging der Holzhandel rapide zurück und der österreichische Staatsbankrott im Jahre 1809 ruinierte die ehemals wohl- habenden Lechbrucker Flößer. Das end- gültige Aus für die Flößerei aber kam mit dem Bau der Eisenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Anfang des 19. Jahrhunderts ging der Holzhandel rapide zurück und der österreichische Staatsbankrott im Jahre 1809 ruinierte die ehemals wohl- habenden Lechbrucker Flößer. Das end- gültige Aus für die Flößerei aber kam mit dem Bau der Eisenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Lechbrucker Holzindustrie und das 1899 gegründete Carbidwerk boten nun neue Arbeitsplätze. Der Bahnhof war jetzt Umschlagplatz für Holz und sonstige Güter. Die wirtschaftliche Blüte wurde durch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgenden Inflationsjahre erheblich gestört. Als Anfang der 30er Jahre das Carbid- werk nach Burg- hausen verlegt wurde, waren auf einen Schlag 80 Arbeitnehmer arbeitslos. Die Eröffnung des Füllhalterwerks in Rottach und Regierungsmaßnahmen zur Arbeitsbeschaffung, wie der Ausbau der Fluss- und Bachläufe, brachten Verbesserungen in bescheidenem Maße.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhöhte sich durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen die Einwohnerzahl um das Doppelte. Die Textilindustrie, die aus kleinsten Anfängen entstand, schuf neue Arbeitsplätze. In den 60er Jahren siedelten sich weitere Handwerksbetriebe, Fachgeschäfte sowie ein metallverarbeitender Betrieb an.

 

Neben Handel und Handwerk spielt in Lechbruck das Beherbergungsgewerbe eine große Rolle. Schon in den 20er Jahren wurden Zimmer an Sommerfrischler vermietet. In der Saison 1936/37 zählte man bereits 22.040 Übernachtungen. Kontinuierlich entwickelte sich Lechbruck zu einem beliebten Urlaubsort.

 

Aus dem Flößerdorf von einst ...

...ist ein lebendiger Erholungs- und Ferienort geworden.
 

Bei einem Einwohnerstand von 2.500 hatte Lechbruck im Jahr 1997 284.000 Übernachtungen.

 

siehe auch: Chronologie von Lechbruck am See

 

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